Leitweg-ID: Aufbau, Verwendung und Beispiele erklärt
Wer eine E-Rechnung an eine Behörde oder andere öffentliche Stelle sendet, begegnet häufig der Leitweg-ID. Sie dient dazu, den öffentlichen Rechnungsempfänger eindeutig zu adressieren und die Rechnung automatisiert an die richtige Stelle weiterzuleiten. Für normale B2B-Rechnungen zwischen Unternehmen ist sie dagegen grundsätzlich nicht erforderlich.
Die Leitweg-ID ist eine eindeutige Kennung für öffentliche Rechnungsempfänger. Sie sorgt beispielsweise bei Rechnungen an die Bundesverwaltung dafür, dass eine elektronische Rechnung innerhalb einer zentralen Rechnungseingangsplattform der richtigen Behörde beziehungsweise Organisationseinheit zugeordnet und weitergeleitet werden kann. Der Auftraggeber teilt dem Rechnungssteller die zu verwendende Leitweg-ID normalerweise im Zusammenhang mit dem Auftrag mit.
Was ist eine Leitweg-ID?
Die Leitweg-Identifikationsnummer – kurz Leitweg-ID – ist ein Adressierungsmerkmal für elektronische Rechnungen an öffentliche Auftraggeber.
Sie wurde so konzipiert, dass ein Rechnungsempfänger innerhalb der öffentlichen Verwaltung eindeutig identifiziert und eine eingehende E-Rechnung anschließend automatisiert an die zuständigen Rechnungsbearbeitungssysteme weitergeleitet werden kann.
Identifizieren
Die Leitweg-ID kennzeichnet den öffentlichen Rechnungsempfänger beziehungsweise einen definierten Adressierungsweg.
Weiterleiten
Rechnungseingangsplattformen können die Rechnung anhand der Kennung automatisiert an die zuständige Stelle weitergeben.
Zuordnen
Die Kennung reduziert das Risiko, dass eine formal korrekte Rechnung beim falschen Empfänger oder einer falschen Organisationseinheit landet.
Wer braucht eine Leitweg-ID?
Hier muss zwischen Rechnungen an öffentliche Auftraggeber und normalen Rechnungen zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen unterschieden werden.
| Situation | Leitweg-ID? | Hinweis |
|---|---|---|
| E-Rechnung an Bundesverwaltung | Ja | Für E-Rechnungen im Geltungsbereich der E-Rechnungsverordnung des Bundes ist die Leitweg-ID eine vorgesehene Pflichtangabe. |
| Unternehmen stellt Rechnung an Unternehmen | Grundsätzlich nein | Die B2B-E-Rechnungspflicht begründet keine allgemeine Leitweg-ID-Pflicht. |
| Selbstständiger stellt Rechnung an Unternehmen | Grundsätzlich nein | Auch Selbstständige benötigen für normalen B2B-Rechnungsaustausch keine eigene Leitweg-ID. |
| Rechnung an Landes- oder Kommunalverwaltung | Vorgaben prüfen | Die konkrete Ausgestaltung richtet sich nach den Regeln des jeweiligen Rechnungsempfängers und Bundeslandes. |
| Peppol-Rechnung | Kann relevant sein | Das Leitweg-ID-Schema kann bei öffentlichen Empfängern als Grundlage einer Peppol-Participant-ID dienen. |
Wie ist eine Leitweg-ID aufgebaut?
Nach der aktuellen Formatspezifikation besteht die Leitweg-ID aus drei grundlegenden Komponenten:
Beispielhafter Aufbau
Beispiel aus der offiziellen Leitweg-ID-Formatspezifikation. Die konkrete Leitweg-ID deines Auftraggebers kann deutlich anders aussehen.
1. Grobadressierung
Die Grobadressierung enthält grundsätzlich Informationen zur verwaltungstechnischen beziehungsweise regionalen Zuordnung.
Sie ist zwischen 2 und 12 Stellen lang.
2. Feinadressierung
Sie kann genutzt werden, um innerhalb einer Organisation weitere Unterscheidungen vorzunehmen.
Die Feinadressierung darf bis zu 30 alphanumerische Zeichen enthalten.
3. Prüfziffer
Am Ende steht eine zweistellige Prüfziffer. Sie ermöglicht eine automatisierte syntaktische Kontrolle der Leitweg-ID.
Die Berechnung erfolgt nach dem Verfahren Modulo 97-10.
Grobadressierung und Feinadressierung
Grobadressierung
Die Grobadressierung orientiert sich grundsätzlich an Strukturen wie Bund, Bundesland, Regierungsbezirk, Landkreis oder Gemeinde.
Das erste Element besteht aus zwei Ziffern. In der Formatspezifikation stehen beispielsweise:
- 07 für Rheinland-Pfalz,
- 08 für Baden-Württemberg,
- 09 für Bayern und
- 99 für den Bund.
Je nach Verwaltungsebene folgen weitere Bestandteile.
Feinadressierung
Die Feinadressierung ist optional und ermöglicht eine weitere organisationsinterne Differenzierung.
Sie kann beispielsweise zur Abbildung interner Strukturen oder Zuständigkeiten verwendet werden.
Die genaue Verwendung der Feinadressierung kann von Bund oder Ländern individuell festgelegt werden.
Was bedeuten 991, 992 und 993 am Anfang?
Bei der Bundesverwaltung begegnen Rechnungsstellern häufig Leitweg-IDs mit bestimmten Anfangsbereichen. Die Informationsseite des Bundes unterscheidet insbesondere:
beziehungsweise Verfassungsorgane, die E-Rechnungen über die OZG-konforme Rechnungseingangsplattform empfangen.
Organisationen, die ebenfalls über die OZG-konforme Rechnungseingangsplattform angebunden sind.
Organisationen, die elektronische Rechnungen über eine eigene Lösung und nicht über die OZG-RE empfangen.
Wo steht die Leitweg-ID in einer XRechnung?
Im Standard XRechnung wird die Leitweg-ID als Käuferreferenz beziehungsweise Buyer Reference verwendet.
Käuferreferenz
Für Rechnungen an die Bundesverwaltung wird die Leitweg-ID im Datenfeld BT-10 angegeben.
Das Feld dient damit nicht nur der Darstellung einer Nummer, sondern hat eine wichtige Funktion für die automatisierte Adressierung und Zuordnung der Rechnung.
Grundlagen zum aktuellen Rechnungsformat findest du in unserem Ratgeber XRechnung erklärt.
Wo bekomme ich die Leitweg-ID her?
Als Rechnungssteller musst du die Leitweg-ID normalerweise nicht selbst beantragen.
Auftrag prüfen
Kontrolliere zunächst Bestellung, Auftragsschreiben, Vergabeunterlagen oder Vertragsunterlagen. Dort kann die Leitweg-ID bereits angegeben sein.
Rechnungsinformationen prüfen
Manche Behörden stellen auf ihrer Website spezielle Informationen zur elektronischen Rechnungsstellung bereit und nennen dort ihre Leitweg-ID.
Auftraggeber kontaktieren
Ist die Leitweg-ID nicht eindeutig bekannt, frage direkt beim öffentlichen Auftraggeber nach.
Mit dem Auftrag abgleichen
Verwende genau die Leitweg-ID, die für den betreffenden Auftrag vorgesehen ist. Eine Behörde kann mehr als eine Leitweg-ID verwenden.
In der Rechnungssoftware eintragen
Bei einer XRechnung wird die Kennung im dafür vorgesehenen Feld für die Käuferreferenz – BT-10 – hinterlegt.
Rechnung vor Versand prüfen
Vor der Einreichung sollten Format, Pflichtfelder und weitere auftragsspezifische Angaben kontrolliert werden. Siehe dazu auch E-Rechnung prüfen.
Brauche ich als Unternehmen eine eigene Leitweg-ID?
Die Leitweg-ID auf einer Rechnung bezeichnet grundsätzlich den öffentlichen Rechnungsempfänger.
Wenn dein Unternehmen beispielsweise einem Bundesministerium eine Rechnung stellt, erhältst du die zu verwendende Leitweg-ID vom Auftraggeber. Dein eigenes Unternehmen muss dafür nicht selbst über eine Leitweg-ID verfügen.
Das ist wichtig, weil die seit 2025 geltenden Regeln zur E-Rechnung-Pflicht häufig mit den älteren B2G-Regelungen verwechselt werden.
Leitweg-ID und Peppol-ID: Was ist der Unterschied?
Leitweg-ID und Peppol-Participant-ID sind nicht pauschal identisch. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen, können im deutschen Verwaltungsumfeld aber miteinander verknüpft sein.
Leitweg-ID
Dient der Adressierung und Weiterleitung einer E-Rechnung an einen öffentlichen Rechnungsempfänger.
In XRechnung wird sie insbesondere im Feld BT-10 verwendet.
Peppol-Participant-ID
Identifiziert einen Teilnehmer innerhalb des Peppol-Netzwerks und wird für die technische Adressierung im Netzwerk genutzt.
Das Schema der Leitweg-ID ist bei Peppol mit dem ICD 0204 registriert.
Den gesamten technischen Ablauf erklären wir ausführlich auf E-Rechnung über Peppol.
Was verlangt die E-Rechnungsverordnung des Bundes?
Für elektronische Rechnungen im Geltungsbereich der E-Rechnungsverordnung des Bundes – ERechV nennt § 5 neben den umsatzsteuerrechtlichen Rechnungsbestandteilen weitere Angaben.
Mindestens anzugeben
- Leitweg-Identifikationsnummer
- Bankverbindungsdaten
- Zahlungsbedingungen
- De-Mail- oder E-Mail-Adresse des Rechnungsstellers
Zusätzlich, sofern übermittelt
- Lieferantennummer
- Bestellnummer
Diese zusätzlichen Angaben sind nach § 5 Absatz 2 ERechV relevant, wenn sie dem Rechnungssteller bereits bei Beauftragung mitgeteilt wurden.
Weitere Rechnungsangaben erklären wir unter Pflichtangaben einer E-Rechnung.
Leitweg-ID, USt-ID, Steuernummer und Rechnungsnummer
| Kennung | Zweck | Typischer Bezug |
|---|---|---|
| Leitweg-ID | Adressierung eines öffentlichen Rechnungsempfängers | B2G / öffentliche Verwaltung |
| Umsatzsteuer-ID | Umsatzsteuerliche Identifizierung eines Unternehmens | Steuerrecht / Unternehmen |
| Steuernummer | Steuerliche Zuordnung durch die Finanzverwaltung | Steuerrecht |
| Rechnungsnummer | Eindeutige Identifikation der konkreten Rechnung | Einzelne Rechnung |
| Peppol-Participant-ID | Technische Identifikation eines Teilnehmers im Peppol-Netzwerk | Peppol-Transport |
Typische Fehler bei der Leitweg-ID
Leitweg-ID richtig verwenden
Vor dem Versand deiner Rechnung
Handelt es sich überhaupt um einen öffentlichen Rechnungsempfänger?
Nutze ausschließlich die vom Auftraggeber mitgeteilte Leitweg-ID.
Bei XRechnung gehört die Leitweg-ID in die Käuferreferenz.
Zusätzliche Auftrags- und Bestellreferenzen nicht vergessen.
Portal, Upload, E-Mail oder Peppol können unterschiedliche Vorgaben haben.
Datei und Pflichtfelder mit geeigneten Werkzeugen kontrollieren.
Häufige Fragen zur Leitweg-ID
Was ist eine Leitweg-ID?
Die Leitweg-ID ist eine eindeutige Kennung zur Adressierung öffentlicher Rechnungsempfänger. Sie ermöglicht insbesondere, E-Rechnungen über Rechnungseingangsplattformen der richtigen Behörde beziehungsweise Organisationseinheit zuzuordnen.
Wer benötigt eine Leitweg-ID?
Eine Leitweg-ID wird insbesondere zur Adressierung öffentlicher Rechnungsempfänger verwendet. Rechnungssteller benötigen für den normalen B2B-Rechnungsaustausch keine eigene Leitweg-ID.
Brauche ich als Unternehmen eine eigene Leitweg-ID?
Nein, grundsätzlich nicht. Die Einführung der B2B-E-Rechnungspflicht führt nicht dazu, dass jedes Unternehmen eine eigene Leitweg-ID benötigt. Bei Rechnungen an öffentliche Auftraggeber verwendet der Rechnungssteller die vom Empfänger mitgeteilte Leitweg-ID.
Wo bekomme ich die Leitweg-ID meines Auftraggebers?
Die Leitweg-ID wird normalerweise vom öffentlichen Auftraggeber im Zusammenhang mit der Bestellung, Auftragsvergabe oder den Rechnungsinformationen mitgeteilt. Ist sie nicht bekannt, sollte direkt beim Auftraggeber nachgefragt werden.
Wo wird die Leitweg-ID in der XRechnung eingetragen?
Im Standard XRechnung wird die Leitweg-ID im Feld BT-10 „Buyer Reference“ beziehungsweise „Käuferreferenz“ verwendet.
Wie ist eine Leitweg-ID aufgebaut?
Sie besteht aus Grobadressierung, optionaler Feinadressierung und einer zweistelligen Prüfziffer. Die einzelnen Bereiche werden durch Bindestriche getrennt.
Wie lang ist eine Leitweg-ID?
Nach der offiziellen Formatspezifikation kann eine Leitweg-ID insgesamt zwischen 5 und 46 Zeichen lang sein. Die konkrete Länge hängt unter anderem davon ab, ob eine Feinadressierung verwendet wird.
Ist die Leitweg-ID dasselbe wie die Umsatzsteuer-ID?
Nein. Die Umsatzsteuer-ID dient der steuerlichen Identifikation eines Unternehmens. Die Leitweg-ID dient insbesondere der elektronischen Adressierung eines öffentlichen Rechnungsempfängers.
Ist die Leitweg-ID dasselbe wie die Peppol-ID?
Nein, nicht grundsätzlich. Die Leitweg-ID kann im Peppol-Kontext als Identifikationsschema verwendet werden. Bei bestimmten öffentlichen Empfängern kann die Peppol-Participant-ID aus dem Präfix 0204 und der Leitweg-ID gebildet werden. Beide Kennungen müssen aber nicht in jedem Fall identisch sein.
Was bedeutet das Präfix 0204 bei Peppol?
Das Adressschema der deutschen Leitweg-ID ist im internationalen Identifikationssystem ISO/IEC 6523 mit dem ICD-Wert 0204 registriert. Deshalb kann eine Peppol-Participant-ID beispielsweise in der Form 0204:Leitweg-ID auftreten.
Was mache ich bei der Fehlermeldung „Leitweg-ID nicht valide“?
Zunächst sollten Tippfehler, Leerzeichen und die Position der Bindestriche geprüft werden. Ist die Kennung exakt wie vom Auftraggeber mitgeteilt eingegeben und wird weiterhin abgelehnt, sollte der Auftraggeber kontaktiert werden.
Kann eine Behörde mehrere Leitweg-IDs haben?
Ja. Öffentliche Auftraggeber können mehrere Leitweg-IDs verwenden. Deshalb sollte für eine Rechnung immer die Kennung verwendet werden, die für den konkreten Auftrag beziehungsweise Rechnungsweg mitgeteilt wurde.
Über den Autor
Heiko Boos beschäftigt sich auf E-Rechnungsratgeber.de mit den rechtlichen, technischen und praktischen Anforderungen der elektronischen Rechnungsstellung in Deutschland.
Die Inhalte werden anhand aktueller Gesetze, Verwaltungsinformationen und technischer Primärquellen recherchiert und regelmäßig aktualisiert.Passende Ratgeber
Quellen und weiterführende Informationen
Für diesen Ratgeber wurden insbesondere offizielle Rechts-, Verwaltungs- und Standardisierungsquellen verwendet.
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Letzte fachliche Aktualisierung: 12. September 2026.